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| Romeo und Julia, spanische Version | |||
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| Jaime wird von seiner Mutter nur Jaume genannt, denn so heißt er auf Valenciano und die Mutter will sich als waschechte Valencianerin schon allein mit ihrer Sprache deutlich gegenüber den „Unterdrückern“ aus Madrid abgrenzen. Diese Haltung übertrug sich nicht so ganz auf den Sohnemann, denn nach einer früh gescheiterten ersten Beziehung und einem Kind mit einer Valencianerin, verliebte sich Jaime in die kleine, aber feurige Carmen aus Toledo. Noch schlimmer war für Jaimes Mutter aber, dass Carmens Vater als Guardia Civil-Offizier für die „Unterdrücker“ arbeitete und seine Frau aus besserem Hause stammte, denn Jaimes Mutter fühlte nicht nur regional-patriotisch, sondern auch noch links. Zumindest diese Haltung ging auf den Sohnemann über. Er engagierte sich in der Arbeiterbewegung und stieg in einer der beiden großen Gewerkschaftsorganisationen so weit nach oben, dass er nun Beiträge zu nationalen Kongressen liefert. Seine Tätigkeit erstreckt sich von der Überprüfung von Baustellensicherheit bis zur allgemeinen Beratung von Bauarbeitern. So düst Jaime täglich kreuz und quer durch das Pais Valencia und kommt meist auf mehr als 40.000 Km im Jahr. Dabei sind ihm besonders illegal Beschäftigte ein Dorn im Auge, denn nicht nur drücken sie das Lohnniveau, sondern sie sind natürlich auch keine Gewerkschaftsmitglieder. So wandelt Jaime mit viel Geschick einen schmalen Pfad, auf dem er Baufirmen nicht zu stark konfrontieren darf, sondern eher mit ihnen verhandeln muss, wie die Gesetze einzuhalten sind und auf der anderen Seite animiert er die Kollegen vor Ort, der Gewerkschaft beizutreten und legal beschäftigt zu werden. Seine Tätigkeit im eher linken Teil des Gesellschaftsspektrums findet wenig Verständnis in Carmens Familie. Zwar lebt der Vater nicht mehr, aber die Mutter ist eine würdige Vertreterin konservativer Wertvorstellungen. Das hatte durchaus Folgen im Privatleben. Carmen erhielt nicht das Plazet für eine Hochzeit mit Jaime und bei den wenigen Besuchen in ihrem Elternhaus durften beide nicht im selben Zimmer schlafen. Erst nachdem sie mehrere Jahre in wilder Ehe zusammengelebt hatten, was natürlich auch nicht gutgeheißen wurde, und nachdem sich die moralischen Zwänge in der spanischen Gesellschaft doch abgemildert hatten, durften Jaime und Carmen, nun beide um die 40 Jahre alt, mit dem Segen der Familien heiraten. Dabei war Carmen durchaus nicht aus materiellen Gründen auf eine Heirat angewiesen. Sie hatte nach einer Kunstausbildung ihr Geld als Mode-Designerin verdient, vor allem mit ungewöhnlichen Modellen und Materialien. So etwas war in Madrid besser gegangen, als in der spanischen Provinz, in der sie nun lebte, nachdem sie Jaime kennengelernt hatte. Darunter litt sie durchaus. Und unter dem Doppeldruck von Mutter und Provinz litt Carmen beträchtlich. Aus dieser Krise schaffte sie es aber mit Hilfe ihres Lebenspartners Jaime wieder heraus. Neben seinem erfolgreichen Gewerkschaftsjob, bezog Jaime einen beträchtlichen Teil seiner stabilen Persönlichkeit aus seinem Lieblingssport Rugby, was zunächst etwas verblüffen mag, denn er ist weder groß, noch breitschultrig gebaut. Aber er ist ungemein flink im Hakenschlagen und blitzschnell im Antritt, was ihm den Spitznamen „der Blitz“ einbrachte. Sein Geschick im Austricksen der gegnerischen Spieler kann man auch noch heute bei gelegentlichen Matches der Altherren-Mannschaft bewundern. Von ihrer Depression genesen, zog Carmen mit Jaime in eine gemeinsame Wohnung, die aber immer noch wie ein Provisorium anmutete, weil sie total möbliert war. Erst nach ihrer Hochzeit und beim Einzug in eine neue Bleibe gestalteten die beiden das Innere nach ihrem Geschmack. Designermäßig musste Carmen in ihrer neuen Heimat an der Costa Blanca deutlich kleinere Brötchen backen, als in der Metropole, was sie in eine neue Persönlichkeitskrise stürzte und diesmal in Alkoholismus mündete, der zum Glück durch den Aufenthalt in einer Suchtklinik überwunden werden konnte. Nun schien alles im Lot zu sein, zumal sich Carmens Design-Talent allmählich herumsprach und die Aufträge zunahmen. Doch da traf dieses Romeo-und-Julia-Paar ein neuer Schicksalsschlag. Carmen wurde mit Krebs diagnostiziert und entsprechend behandelt. Die Folgen solcher Maßnahmen sind bekanntermaßen schlimm: Haar-Ausfall, Apathie, Depressionen. Doch diese zierliche Carmen ist eine Kämpferin. Der Haar-Verlust währte nur kurz und ihre Lebenslust ließ sich schon gar nicht unterkriegen, nachdem sie ja bereits alle möglichen anderen Krisen überwunden hatte. Wie es aussieht, ist auch der Krebs besiegt. So hat sich diese spanische Version von Romeo und Julia weder von den gegensätzlichen Familien-Vorstellungen, noch von den sonstigen Schicksalsschlägen unterkriegen lassen. Weiter so! © Leo, 2010 | |||
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| Horsti | |||
| Das Leben schreibt manchmal Drehbücher, die kein Autor je gewagt hätte sich auszudenken. | |||
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| Was Horsti machte, bevor er Polizist wurde, konnte ich bisher noch nicht herausbekommen. Vielleicht war er Wachmann, vielleicht bei der Feuerwehr. Vielleicht fand er den Weg zur Polizei auch über einen örtlichen Hundeverein in Remscheid, denn Polizeihunde-Führer wäre er sicher gern geworden. Er liebte Tiere allgemein, aber Hunde insbesondere. Die hielten zu ihm, waren ihm treu. Das bedeutete ihm besonders viel nach zwei gescheiterten Ehen. Und so legte er sich, weil er sich einsam fühlte an der Costa Blanca, einen Husky zu – eine weitere Schnapsidee, wie so viele in seinem Leben. Ein Schlittenhund an der Sonnenküste Europas! Während er nun einmal dieses arme, in der Hitze hechelnde Tier ausführte, lernte ich ihn kennen. Er war erst vor kurzem in die Nachbarschaft gezogen, als Anhängsel eines holländischen Ehepaares, als Faktotum für kleinere Reparaturarbeiten in Haus und Hof, als ziemlich unbeholfener Gärtner. Horsti war dankbar, dass er mit seinem Husky in die umgebaute Garage seiner Herrschaften einziehen konnte, dass er sogar noch eine Art Taschengeld bekam. Horsti war genügsam. Seine Frühpensionierung als Polizist vergönnte ihm wenig nach Abzug der Versorgungsgelder für seine zwei früheren Ehefrauen samt der gemeinsamen vier Kinder, zwei aus erster und zwei aus zweiter Ehe. Dass Horsti einmal Polizist war, hätte ich nie und nimmer gedacht. Er wirkte eher wie ein Softi, noch dazu einer, der alles falsch macht, so ähnlich wie der Rabe in Wilhelm Buschs Geschichte von Hans Huckebein. Im Grunde sah Horsti auch so ein bisschen wie ein Rabe aus mit seiner prominenten Nase. Und wenn er von seinem Werdegang erzählte, konnte man gleichzeitig Mitleid mit ihm haben und über ihn lachen, genau wie in dem Busch-Epos. Dass er im Dienst so allerlei verbaselte, entging natürlich seinen Vorgesetzten nicht. Was ihn dann endgültig aus der beruflichen Bahn warf, war folgender Vorgang: Eines Tages musste Horsti einen Angeklagten aus dem Untersuchungsgefängnis zum Gericht bringen. Das lief wohl so ab wie in einem Walt Disney Comic, wo Mickey Mouse als Hilfssherrif den Kater Carlo abführen muss, der dreimal so groß und breit wie Mickey ist. Mickey/Horsti hatte den Angeklagten mit Handschellen an sich gekettet. Da der deutsche Staat schon damals drastisch sparen musste, sollte Horsti die Überführung ins Gericht mittels öffentlicher Verkehrsmittel bewerkstelligen, d.h. die beiden fuhren mit dem Stadtbus vom Gefängnis zum Gericht. Da Horsti nicht so sicher war, dass er ordnungsgemäß mit der Dienstwaffe umgehen konnte, hatte er diese vorsichtshalber zurückgegeben. Diese Bus-Szene mit dem dicken Angeklagten und dem dünnen, unbewaffneten Polizisten samt Handschellen sorgte für so viel öffentlichen Wirbel, dass ein Justiz-Untersuchungsausschuss eingesetzt wurde und weil bei so etwas immer ein Ergebnis herauskommen muss, entfernte man Horsti aus dem Polizeidienst. Was sollte er nun tun nach diesem Fiasko und zwei gescheiterten Ehen? Da bot ihm seine Tochter Sabine aus erster Ehe an, doch zu ihr nach Altea an die Costa Blanca zu kommen. Hier lebte sie mit ihrem 45 Jahre älteren Ehemann in einer Urbanisation mit recht großzügigem Ambiente. Ja, das ist kein Druckfehler. Sabines Ehemann war 45 Jahre älter. Und das kam so: Nach ihrem Schulabschluss hatte Sabine eine Lehrstelle in einer Bäckerei in Remscheid angetreten. In einem Familienbetrieb. Nach ihrer Lehrzeit wurde Sanine als Angestellte übernommen. Kurze Zeit später starb die Bäckerin und da der verwitwete Bäcker mit der jungen Gehilfin sehr zufrieden war, hielt er um ihre Hand an, wie man in diesen Kreisen wohl sagen würde. Wenige Jahre später verkaufte das glückliche Paar den florierenden Bäckereibetrieb und zog wegen des milden Klimas an die Costa Blanca. Trotz allerlei Untersuchungen und Anwendungen, war dem ungleichen Paar kein Nachwuchs vergönnt. Da sowohl Ehemann, als auch das Anwesen großzügig waren, bot Sabine ihrem Vater an, zu ihnen nach Altea zu ziehen, vorausgesetzt, Horsti würde seinem15 Jahre älteren Schwiegersohn bei der Garten- und Hausarbeit behilflich sein. Horsti sagte sofort zu und diese Dreier-Konstellation funktionierte zwei Jahre recht gut. Dann lernte Sabine einen Mann ihres Alters kennen, der offenbar ein weiteres Spektrum an Gemeinsamkeiten abdeckte, als ihr Bäcker-Gatte, so dass Sabine das Verlangen hatte, ihren neuen Lover in das Anwesen einzubeziehen, ohne ihren Ehestatus aufzugeben. Dem Angetrauten schien das akzeptabel zu sein. Nun musste Sabine nur noch ihren Vater loswerden, denn sowohl räumlich, als auch emotional wäre eine Konstellation Sabine plus Mann, plus Lover, plus Vater wohl zu anstrengend gewesen. Horsti musste gehen. Da ergab es sich, dass Sabines Nachbarn umzogen und da Horsti bei denen schon öfters den Garten versorgt hatte und aufgrund seines technischen Talents auch ein paar Aufgaben im Haus zur Zufriedenheit der Nachbarn erledigt hatte, beschlossen sie, den lieben Horsti mit in ihr neues Anwesen zu nehmen. Auf die Dauer war dem Horsti die innige Verbindung zu seinem Husky doch nicht genug emotionale Zuwendung und so funkte es bei ihm eines Tages in einer Bar in Benidorm, als er eine feurige Kolumbianerin kennenlernte. Sie sah in der Tat gut aus. Ich lernte sie selbst kennen und fungierte fortan als Übersetzer ihrer heißen E-Mails in beide Richtungen, denn weder konnte die Kolumbianerin Deutsch, noch Horsti auch nur annähernd genügend Spanisch, um eine einfache Unterhaltung zu führen. Auf dieser Wolke schwebte Horsti einige Monate, bis Carmencita ohne Abschiedsworte, ohne Nachricht verschwand. Vielleicht wurde sie verhaftet, weil sie illegal in Spanien lebte. Vielleicht gestaltete sich die Kommunikation mit Horsti zu anstrengend. Sie war jedenfalls weg. Das Huckebein-Schicksal hatte Horsti wieder mal eingeholt. Zum Glück zeichnete sich aber nach wenigen Wochen eine Wende zum Besseren ab. Die holländischen Herrschaften engagierten Miranda, eine illegale bolivianische Putzfrau. Illegal hatte den Vorteil, dass sie so einen deutlich niedrigeren Stundenlohn zahlen mussten, als bei einer legalen Arbeitskraft. Miranda hatte zwei uneheliche Söhne, die hart arbeiteten. Einer in der Gastronomie, der andere auf einer Bootswerft. Miranda putzte in einem Fitness-Studio und bei Privatleuten, ständig in der Angst, überprüft und ausgewiesen zu werden. Unter diesen Umständen war sie nicht abgeneigt, mit einem Bürger der EU anzubandeln, konnte sich daraus doch eine Legalisierung ihres Aufenthalts ergeben. Nach Husky und verlorener kolumbianischer Flamme war Horsti entschlossen, einen neuen Anlauf zu nehmen, um in die emotionale Geborgenheit eines Ehehafens einzulaufen. Er stellte Miranda einen Heiratsantrag, in den ich eingeweiht wurde, weil Horsti nach wie vor nicht genug Spanisch sprach. Miranda willigte nach kurzer Bedenkzeit ein und flog mit Horsti nach Deutschland, wo Horsti nun zum dritten Mal vor dem Standesbeamten in Remscheid stand. Dem frisch vermählten Paar schien das Glück hold zu sein. Zwar hätte Miranda als Frau eines EU-Bürgers nun nicht mehr ausgewiesen werden können, aber im Zuge der Amnestie von Ministerpräsident Zapatero für Hunderttausende von Illegalen, wurde Miranda sogar zu einer legalen Arbeitsimmigrantin mit Renten- und medizinischem Versorgungsanspruch. Auch behielten die holländischen Herrschaften Miranda bei, weil sie nach ihrer Legalisierung nicht mehr Stundenlohn verlangte als vorher. Horsti und Miranda zogen zusammen in eine Mietswohnung und arbeiteten beide drei Jahre hart, bis sie zusammen mit Mirandas Söhnen einen Grundstock beisammen hatten, mit dem sie die Hypothek für ein Reihenhaus beantragen konnten. Leider hielt dieses Glück nicht lange an. Miranda erzählte mir, dass Horsti eines Tages einen kleinen Auto-Unfall hatte. Harmlos. Er war dem Vordermann draufgefahren. Seltsam, denn Horsti war ein guter Autofahrer. Als ich ihn darauf ansprach, antwortete er mir zunächst auf Spanisch, aber entschuldigte sich sogleich, dass er bei dem vielen Spanisch, dem er nun ausgesetzt sei, mit den Sprachen etwas durcheinander gekommen sei. Beim nächsten Treffen klagte er über Konzentrationsschwierigkeiten. Bald tauchten auch dauerhafte Kopfschmerzen auf, was schließlich dazu führte, dass sich Horsti gründlich untersuchen ließ. Die Diagnose war niederschmetternd: ein Krebs im Kopf und einer in der Lunge. Horsti gab das Rauchen auf, aber das half jetzt auch nichts mehr. Horsti kämpfte heftig um sein Leben. Mit der Chemo-Therapie verlor er seine Haare, aber sie kamen wieder. Der Krebs im Kopf wurde kleiner, jedoch der in der Lunge wuchs. Horsti wollte unbedingt weiter arbeiten, aber er schaffte es nicht mehr. Seine Aufenthalte in der Clinica Benidorm wurden länger und seine Chica Miranda wurde immer dünner. So ging das 18 lange Monate. Die Ärzte wunderten sich, weil andere Patienten mit ähnlichen Befunden, die zur selben Zeit wie Horsti eingeliefert worden waren, spätestens nach einem halben Jahr gestorben waren. Horsti wollte nicht abtreten von der Bühne dieser Welt, nicht jetzt, wo er mit seiner Miranda seinen Traum vom gemeinsamen Leben im sonnigen Süden verwirklicht sah. Nach Jahrzehnten als Unglücksrabe Hans Huckebein war er doch nun eigentlich Hans im Glück. Er kämpfte vergebens. An einem warmen Septembertag drückte er ohne Worte seiner Miranda zum letzten Mal die Hand. Er verriet ihr nicht mehr, wofür er, als es ihm schon ziemlich schlecht ging, 12.000 € Kredit aufgenommen hatte, ohne Miranda darüber zu informieren. Das Geld blieb verschwunden. Hans Huckebein war zurückgekehrt. Drei Tage später wurde seine Asche im Meer verstreut. Leo 2009 * Wegen der intimen Details dieser Geschichte, wurden alle Namen geändert. | |||
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| Dorada? | |||
| Erlebnisse in der Lonja | |||
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| Kürzlich besuchten meine Frau und ich einmal wieder die Bar über der Lonja im Hafen von Altea. Als wir aus dem Auto stiegen, schlenderte ein junger Mann vorbei und fragte: „Want fish?“. Meine Frau wurde sogleich misstrauisch, denn wir sahen nicht gerade wie Fischhändler aus. Und das sind nach unserer Information die einzigen Zugangsberechtigten bei den Fangversteigerungen in der Lonja in Altea. Ich schaute wohl auch etwas skeptisch, aber das deutete der junge Mann bereits als Zustimmung und winkte uns, ihm zu folgen. Wir betraten also die Lonja, wo die Fischversteigerungen noch im vollen Gange waren und wurden in eine Ecke gelotst, wo auf dem Boden eine Styroporkiste mit ca. zehn Fischlein stand, jedes vielleicht 20 cm lang. „Que pescado es?“ fragte ich. „Good fish!“, war die Antwort. Unsere Fischkenntnisse sind nach wie vor sehr beschränkt. „Es Dorada?“, denn so irgendwie sahen die schlanken Fische aus, die wir durchaus mögen. „Si, si, is Dorada!“ Ich schaute auf zu meiner Frau und blickte dabei hinter ihr in die Augen von Dutzenden von interessierten Zuschauern. Hielt nicht sogar der Auktionator inne und starrte herüber? Mir wurde etwas mulmig zumute. Unser Marrokaner oder Algerier, auf jeden Fall ein Maghrebiner, winkte seine Brüder oder Mitfischer heran, die auch alle begeistert nickten. „Good fish!“ Meine Frau wollte noch wissen, wieviel denn das Kilo koste. So eine Frage prallte an der Gruppe ab, wie Regen an einem Gummimantel. „Good fish, 10 €.“ Das erschien mir ungemein günstig. Ich nickte und schon waren die guten Fische in eine Plastiktüte geschüttet. Etwas Eis drauf und dazu als Geschenk noch ein paar Minifische in der Größe von Ölsardinen. Ja, war das denn alles legal? Die Blicke der Zuschauer schienen uns zu durchbohren und wir machten uns aus dem Staub, so schnell es ging. Wir stürzten noch schnell einen Kaffee in der Bar hinunter und begegneten beim Weggang unseren maghrebinischen Freunden, die wohl drauf und dran waren, ihren Verkaufserfolg in der Bar zu begießen. Auf der Heimfahrt stellte meine Frau die recht harmlose Frage, wer denn diese Fische ausnehmen würde. Da ich offensichtlich der Schuldige war, erklärte ich mich bereit, diese paar Fischchen kochfertig zu machen. Es dauerte ja auch nur in etwa zwei Stunden, wobei ich mir die Freiheit nahm, die Ölsardinen-Geschenke gleich in den Müll zu befördern. Natürlich konnten wir auch nicht all die anderen zehn Doraden-Imitate essen. Von der Menge her wäre es vielleicht gegangen, aber der Kampf mit den Gräten führte nach zwei Stunden kauen und stochern doch zu einer gewissen Überdrüssigkeit. Zumindest werden wir uns an der Lonja nicht mehr so schnell zum Spontankauf verführen lassen. Aber insgesamt war es doch ein recht amüsantes Stück afrikanisches Abenteuer in Altea. Leo | |||
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- Leo |
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